Groß war die Not im Frühjahr des letzten Schuljahres in einer 3. Volksschulklasse in Kitzbühel. Eine ungewöhnliche Häufung von Kindern mit speziellen Schwierigkeiten und großen emotionalen und sozialen Bedürftigkeiten, die sich in Verhaltensauffälligkeiten in einem unglaublichen Ausmaß äußerten, führte die Lehrerin an den Rand der Erschöpfung. Die wenigen verfügbaren Zusatzstunden, die Zuziehung der Beratungslehrerin (schon seit der 1.Klasse) und die Unterstützung durch „1+3“ konnten auch nicht ausreichend Erleichterung bringen.
So entstand die Idee einen externen Schulhelfer einzusetzen um den Kindern kontrollierte Auszeiten und auch verhaltenstherapeutische Konsequenzen zu ermöglichen. Herr Markus Carli, der durch mehrere Gehörstürze seine Arbeit in einer Holzverarbeitungsfabrik nicht mehr leisten konnte, erklärte sich sofort bereit einzuspringen. Er verbrachte im Vorfeld viele Stunden bei Vernetzungstreffen in der Schule, auch an der Klinik (wegen eines dort abgeklärten Kindes) um seinen Einsatz gut vorzubereiten.
Beim Start seiner Arbeit kam ihm seine Ausbildung zum Kletter- und Mentaltrainer sehr zugute. Bis zum Sommer wurde sein Einsatz auch durch einen Sozialfond und die Gemeinde Kitzbühel bezahlt. Im Herbst des heurigen Schuljahres veränderte sich die Lage insofern, als die Stadtgemeinde nur mehr bereit war eine geringfügige Beschäftigung zu bezahlen, was zwar schön aber eben viel zu wenig war. Herr Carli ist seit dem (mit Pause im Winter, wo er bei der Pistenrettung beschäftigt war) also für ca. 33 Stunden im Monat beschäftigt, verdient € 390.-, was für ihn überhaupt nur deshalb machbar ist, weil er noch vom AMS unterstützt wird. Er verbringt aber nach wie vor viele Stunden in der Schule, einfach weil er den Bedarf sieht und weil er die Klasse jetzt nicht im Stich lassen möchte, die inzwischen übrigens auch eine neue Lehrerin hat, seit die bisherige schon im Dezember in psychisch bedingten Krankenstand gehen musste. Er ist bei Elternsprechtagen, bei Ausflügen dabei und macht immer wieder Mentaltraining mit Kindern und der ganzenKlasse. Und sollte in einer anderen Klasse einmal der Hut brennen, ist er sogar dort zur Stelle!
Ihm ist klar, dass er viel mehr Stunden macht, als er bezahlt bekommt, aber die Situation in dieser Klasse, die so wertvolle Beziehungszeit vor allem für die Burschen der Gruppe und die vielen, vielen positiven Veränderungen sind es ihm wert.
